Martin (re.) und Philipp (li.) Dötsch begleitet der Schutz des Apollofalters schon seit vielen Jahren bei ihrer Arbeit als Winzer. (Copyright Weingut Dötsch-Haupt)
„Unser einzigartiges Weinbergareal ist sehr gefährdet“
Martin und Philipp Dötsch über die Bedeutung des Apollofalters für ihre Arbeit
Martin Dötsch führt in Kobern-Gondorf mit seinem Sohn Philipp das Weingut Dötsch-Haupt. Gemeinsam bewirtschaften sie 12 Hektar Terrassenweinberge und zählen damit zu den größten Weingütern an der Mosel. Das Winzer-Duo erfüllt ihre jahrhundertelange Weinbau-Familientradition mit großem Stolz. Dem Erhalt ihres Betriebes widmen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes mit allen Kräften: Die Arbeit auf den 500 bis 800 Jahre alten Schieferterrassen in steiler und steilster Lage erfordert jede Menge Handarbeit.
Neben der Winzertradition und der Qualität ihrer Weine liegen Familie Dötsch vor allem der nachhaltige Weinbau sowie die Natur am Herzen – ihre Weinberge möchten sie auch nachfolgenden Generationen möglichst intakt hinterlassen. Wie anspruchsvoll sich dies manchmal gestaltet, zeigt sich auch am Zustand des Apollofalters. Wir haben mit Martin und Philipp Dötsch darüber gesprochen, welche Bedeutung der vom Aussterben bedrohte Schmetterling für ihre Arbeit hat.
Ein Großteil Ihrer Weinberge liegt im Verbreitungsgebiet des prächtigen Mosel-Apollofalters und er ist im Bereich Ihrer Flächen noch regelmäßig zu beobachten. Auf welche Weise hat die Art Ihre Arbeit über die letzten Jahrzehnte geprägt?
Antwort Martin Dötsch: Mein Vater Franz Dötsch hat sich in den 80er-Jahren sehr um den Erhalt der Kulturlandschaft und somit den Lebensraum der besonderen Flora und Fauna gesorgt. Ich bin von meinen ersten Weinbauschritten mit der Thematik Naturschutz und verantwortungsvollem Weinbau befasst gewesen.
Viele Rettungsmaßnahmen für den Apollo wie das Freistellen von Weinbergsbrachen oder das Anpflanzen von Nektarpflanzen können nur funktionieren, wenn Winzer und Naturschutz kooperieren. Auf welche Weise unterstützen Sie den Schmetterling?
Antwort Philipp Dötsch: Wir haben aktiv Nektarpflanzen in den Weinbergen gepflanzt und setzen die Bewirtschaftung sehr schonend um. Wichtig ist uns hier immer die fachliche Unterstützung durch die Biotopbetreuer und die Offizialberatung beim DLR.
Neben dem schleichenden Verlust geeigneter Lebensräume infolge von Verbuschung und klimatischen Faktoren wird auch der Einsatz von Fungiziden als mögliche Gefährdungsursache diskutiert. Ihr Betrieb setzt sich auch deshalb für die Drohnenspritzung ein, da Sprühdrohnen zielgenauer und mit erheblich weniger Abdrift arbeiten. Ist eine kurzfristige Umstellung von Hubschrauber auf Sprühdrohnen an der Mosel überhaupt realistisch?
Antwort Martin Dötsch: Wir haben im Jahr 2025 etwa 17 ha mit der Drohne in der Gemarkung Kobern behandelt, in 2026 haben sich Winzer der Terrassenmosel auf rund 80 Hektar Fläche für die Drohne festgelegt. Der Hubschrauber ist schneller und schafft mehr Fläche in der Stunde. Wichtig ist, die ordnungsgemäße Bewirtschaftung sicherzustellen. Ein gemeinsames Handeln aller Beteiligten sollte hier einen gangbaren Weg aufzeigen und umsetzen. Aktuell können wir wohl an der Mosel nicht gänzlich auf den Hubschrauber verzichten.
Es gibt eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen die Hubschrauberspritzung an der Unteren Mosel. In zwei Instanzen wurde sie bereits abgewiesen, weitere Urteile stehen aber noch aus. Als Winzer vertreten Sie verständlicherweise die Interessen Ihres Betriebes, können Sie die Argumente der Kläger dennoch nachvollziehen?
Antwort Martin Dötsch: Wir haben das direkte Gespräch mit der DUH vor Ort gesucht. Das Wissen um unsere Verantwortung und um die Schwierigkeiten in der Weinbergarbeit ist klar umrissen. Für mich ist es elementar, dass uns die notwendigen Informationen über die Lebewesen in den Weinbergen und die Wechselwirkungen mit der Arbeit vor Ort helfen, den Naturschutz gleichzugewichten. Ich bin hier zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Meiner Ansicht nach gehören Weinbau und Apollofalter zusammen.
Was bedeutet ein Umstieg von der Hubschrauberspritzung auf Sprühdrohnen für Ihren Betrieb konkret?
Antwort Philipp Dötsch: Die Kosten sind vergleichbar. Die Abdrift bei der Spritzung ist mit der Drohne kaum vorhanden. Die Effizienz der Behandlung ist bei beiden Systemen ähnlich. Der Hubschrauber behandelt die Flächen sicher wesentlich schneller. In 2025 waren auch die Wetterbedingungen unproblematisch. Schlechtwetterphasen könnten hier sicherlich den Pilzdruck erhöhen. Wir sind noch in einer Lernphase bei der praktischen Umsetzung. Klar ist, dass bei hohem Pilzdruck die Spritzfenster, in denen die Drohne fliegen kann, ein Problem darstellen werden.
Sie sind Winzer, Naturliebhaber, Unternehmer, Anwohner und Bürgermeister in einer Person und damit mittendrin im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen und Ansätze. Was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft?
Antwort Martin Dötsch: Ich wünsche mir einen guten Austausch untereinander. Das Ziel, das Biotop Weinbergterrassen zu sichern, haben meinem Eindruck nach alle Gruppen. Der Weg und die Grundlagen sind zum Teil strittig. Unser einzigartiges Weinbergareal ist sehr gefährdet. Es geht um unsere Heimat, die wirtschaftlichen Belange und auch einen besonderen Naturraum. Wir müssen schnellstmöglich zusammen agieren und sind als Weingut aktiv unterwegs mit dem Weinbau, den Verwaltungen und Naturschützern.
Vielen Dank für das Gespräch!











